Wandertipp zum Wochenende , von Dietmar Herrmann - Fichtelgebirgsverein
Zum Hohen Stein im Hallersteiner Wald
Über dreißig Meter ragt die Granitfelsburg in die Höhe und wer sie erklimmt, genießt eine herrliche Aussicht in das Hofer Land, nach Böhmen oder in das Sechsämterland. Eisenleitern führen fast bis zum Felsengipfel, an der Ostseite der Felswand darf geklettert werden, was auf einem Schild erlaubt wird. Wanderer und Kletterer sollten sich jedoch beeilen, wenn sie die gigantische Felsformation in voller Größe sehen und die fantastische Aussicht genießen wollen. Wenn die kleinen Fichtenbäumchen wieder hoch gewachsen sind, ist es vorbei mit den An- und Aussichten. Vor einigen Jahren stand dichter Fichtenwald um das Felsenareal und behinderte dadurch die Ein- und Ausblicke, bis ein starker Windwurf dann den Felsen freigelegt hat.
In amtlichen Karten heißt der Felsturm „Hoher Stein“, im Volksmund wird er auch „Hohenstein“ genannt, seine Höhenlage wird mit 817 Meter über dem Meer angegeben. Er liegt auf dem nördlichen Gebirgskamm des Fichtelgebirgshufeisens, im Hallersteiner Forst westlich der Stadt Kirchenlamitz. Er steht auf der Grenze der Landkreise Wunsiedel und Hof. Man erreicht ihn von einem kleinen Wanderparkplatz aus, der an der Straße von Kirchenlamitz nach Weißdorf liegt. Nach etwa 2,5 km Wanderstrecke auf dem weiß-blau markierten Wanderweg in Richtung Lamitzbrunnen kommt man zu dem sehenswerten Felsgebilde.
Nicht nur Geologen oder Geomorphologen freuen sich über dieses überwältigende Zeugnis der Erdgeschichte, auch Heimatkundler finden an dem Felsen interessante Einmeißelungen. Die hohenzollerischen Burggrafen von Nürnberg, die späteren Bayreuhter Markgrafen, hatten sich im Fichtelgebirge verstreuten Besitz erworben, der den im Jahr 1385 errichteten „Burggrafenamt ob dem Gebirg“ einverleibt wurde. Bis zum Jahr 1415 war im Innenraum des Fichtelgebirges das später als Sechsämterland bezeichnete Gebiet in burggräflichem Besitz. 1437 wurde eine straffe Organisation mit Gerichtssprengeln eingeführt und 1504 war dann die Ämtergemeinschaft mit Wunsiedel, Hohenberg, Weißenstadt, Kirchenlamitz, Thierstein und Selb entstanden. Für die Ämtergemeinschaft bedurfte es schriftlicher Aufzeichnungen, was 1499 in Form des „Landbuches der Sechsämter“ geschah. In diesem Landbuch wurden unter anderem auch die genauen Abgrenzungen der einzelnen Amtsbezirke zueinander beschrieben. Als Grenzmarkierungen wurde Kreuze in Bäume oder Felsen eingehauen oder Grenzgräben ausgehoben.
Auch der damalige Amtsbezirk Kirchenlamitz wurde im Landbuch der Sechsämter detailliert festgehalten. Auf der Nordlinie dieser Grenzbeschreibung wird 1499 der „Hohenstein“ genannt. Als es mit den benachbarten Grundeigentümer, dem Herren von Sparneck zu „Grenzirrungen“ kam, erfolgte im Jahr 1516 eine neue Grenzverrainung. Und wieder taucht hier der Hohe Stein als Grenzstein auf. Das eingemeißelte Hohenzollernwappen und die Kreuze, die man noch heute an der West- und Ostseite des Felsens vorfindet, dürften damals angebracht worden sein.
Dietmar Herrmann, Fichtelgebirgsverein
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