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Das Stadt­um­bau­ma­nage­ment des Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge: Aufgaben und Projekte 

Autor: Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge
Tran­skript (bear­beitet) von Folge #01 unseres Podcasts „Hör mit! Der NöFi-Talk“ .

Das Original-Inter­view können Sie im Info­Center anhören.

Inter­view mit Gunter Schramm, PLANWERK Stadt­ent­wick­lung

Gunter Schramm ist Geograf und Stadt­planer und seit über 30 Jahren Mitin­haber von Büro PLANWERK Stadt­ent­wick­lung in Nürn­berg. Aktuell ist sein Büro sowie die DSK Deut­sche Stadt- und Grund­stücks­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft mbH für das Stadt­um­bau­ma­nage­ment des Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge beauf­tragt.

Wie erklärt man jemandem den Inter­kom­mu­nalen Verbund Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge, der ihn noch nicht kennt? 

Der Verbund Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge besteht aus neun Kommunen aus zwei verschie­denen Land­kreisen, nämlich fünf Kommunen aus dem Land­kreis Wunsiedel und vier Kommunen aus dem Land­kreis Hof, die sich land­kreis­über­grei­fend vor 20 Jahren zusam­men­ge­funden haben, um ihre Region zusammen und gemeinsam zu entwi­ckeln.  

Dazu wurde damals ein Entwick­lungs­kon­zept aufge­stellt, das die Kommunen zusammen mit ein paar Fach­büros an der Hand entwi­ckelt haben. Dieses Entwick­lungs­kon­zept wurde vor unge­fähr fünf Jahren nochmal als digi­tales Konzept, als soge­nanntes IDEK, aktua­li­siert. Das Ganze ist einge­bettet in ein Förder­pro­gramm der soge­nannten Städ­te­bau­för­de­rung bei der Regie­rung von Ober­franken.

Aus welchen Gründen haben die Kommunen denn über­haupt ein solches Entwick­lungs­kon­zept erstellen lassen? 

Das Nörd­liche Fich­tel­ge­birge ist Teil Ober­fran­kens, Hoch­fran­kens, eine Region in Bayern, die in den klei­neren und mittel­großen Kommunen mit bestimmten Problemen konfron­tiert ist, was die Innen­ent­wick­lung, die Stär­kung der zentralen Orte, der Innen­orte angeht. Mit nega­tiver Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung, mit Über­al­te­rung oder Älter­werten der Bevöl­ke­rung und all den Dingen, die im Zusam­men­hang mit dem demo­gra­fi­schen Wandel zu nennen sind.    

Die sicht­baren Konse­quenzen davon sind leer­ste­hende Immo­bi­lien im Gewerbe, im Wohn­be­reich, aber auch fehlende finan­zi­elle Möglich­keiten, um den öffent­li­chen Raum zu gestalten. Und genau an diesen Punkten, also Gestal­tung des öffent­li­chen Raums, Aufwer­tung des öffent­li­chen Raums und Beheben oder Vermeiden von leer­ste­henden Immo­bi­lien, versucht der Verbund Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge im Wesent­li­chen anzu­setzen.

Da stellt sich die Frage, wie sich diese umfang­reiche und viel­schich­tige Aufgabe über neun Kommunen hinweg orga­ni­sieren lässt.

Ja, damit sind die einzelnen Kommunen, ich würde nicht sagen über­for­dert, aber es bedeutet einfach zusätz­liche Arbeit, zusätz­liche Leis­tung, externes Know-How wird gebraucht. Weswegen der Förder­geber, die Städ­te­bau­för­de­rung sagt, ihr solltet euch extern verstärken mit einem soge­nannten Stadt­um­bau­ma­nage­ment. Dieser Prozess hat schon mehr­fach statt­ge­funden.  

Das heißt, es muss eine Ausschrei­bung geben. Die letzte Ausschrei­bung war vor gut drei Jahren und musste euro­pa­weit ausge­führt werden. In dem Fall waren es unsere Büros, PLANWERK und DSK aus Nürn­berg, die diese Ausschrei­bung gewonnen haben und seitdem als Stadt­umbau-Manage­ment aktiv sind. Insge­samt sind wir in der Regel vier Personen, die mit einem Budget von insge­samt 2.000 Jahres­stunden, zu 90 % geför­dert von der Stadt­um­bau­för­de­rung, vornehm­lich vor Ort umsetzen.

Was sind die konkreten Aufgaben des Stadt­um­bau­ma­nage­ments?  

Vor allem in den Berei­chen aktiv werden, die ich vorhin als die Ursa­chen oder Ansatz­punkte genannt habe. Der Fokus liegt natür­lich auf den Themen Leer­stands­ver­mei­dung und Leer­stands­be­he­bung. Da geht es um Immo­bi­lien, Gewerbe und Wohnen und natür­lich dann deren Eigen­tümer. Ich kann einer Immo­bilie nur dann aktiv werden, wenn ich den Eigen­tümer infor­miere, mit dem Eigen­tümer spreche, dem viel­leicht Möglich­keiten aufzeige, was er mit seiner leer­ste­henden Immo­bilie machen kann, Nutzungs­ideen entwickle, ihn berate, mögli­cher­weise Förder­mög­lich­keiten aufzeige. 

Es gibt teil­weise in den Kommunen des Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge Förder­pro­gramme, die die Kommunen ganz speziell für ihre Innen­orte aufge­legt haben. Dazu gibt es in den meisten Kommunen Sanie­rungs­ge­biete, die im Falle einer Sanie­rung steu­er­liche erhöhte Abschrei­bungen für die Eigen­tümer ermög­li­chen. Und es gibt natür­lich sons­tige Förder­mög­lich­keiten auf Bayern-Ebene, auf Regie­rungs­be­zirks­ebene, auf Bundes­ebene, auf Euro­pa­ebene. All diese Förder­mög­lich­keiten können dazu beitragen, dass Eigen­tümer mit ihrer leer­ste­henden Immo­bilie oder auch nur teil­weise leer­ste­henden Immo­bilie aktiv werden. 

Seit dem soge­nannten IDEK haben wir auch den digi­talen Aspekt vermehrt in den Fokus gestellt und versu­chen da den Weg zwischen Leer­stands­themen und digi­taler Quali­fi­ka­tion — auch viel­leicht von Menschen, die nicht so digital affin sind oder sich noch nicht so die Voraus­set­zungen erworben haben — zu finden und das auch dann immer wieder mit dem Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge in Verbin­dung zu bringen. 

Nicht nur mit dem Stadt­um­bau­ma­nage­ment wird das Nörd­liche Fich­tel­ge­birge sichtbar, es gibt ja noch weitere Projekte. Wie finan­zieren sich diese? 

Es gibt zusätz­lich noch für, in Anfüh­rungs­zei­chen, Klein­pro­jekte des Stadt­um­bau­ma­nage­ments oder der Region einen soge­nannten Verfü­gungs­fonds. Der unter­stützt unter anderem das Komm mit!, eine Veröf­fent­li­chung hier in der Region, die es ziem­lich seit Anfang des Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birges gibt und die natür­lich Geld kostet und von jemanden profes­sio­nell bear­beiten muss, was die Redak­teurin Claudia Plaum tut. Das ist zum Beispiel so etwas, was wir über diesen Verfü­gungs­fonds finan­zieren.  

Es gab aber auch Projekte in der Vergan­gen­heit, die weniger kosten­in­tensiv waren, wenn wir beispiels­weise Info­ver­an­stal­tungen für die Bürger­schaft als Stadt­um­bau­ma­nage­ment orga­ni­sieren, zu Themen wie Sanieren, wie Barrie­re­frei­heit, wie ener­ge­ti­sche Sanie­rung, oder wie Erben und Vererben. Da wurden dann die Kosten für die Fach­leute, die wir einladen, über diesen Verfü­gungs­fonds finan­ziert. 

Darüber hinaus gibt es diverse Möglich­keiten, aktiv zu werden. Es gab schon und gibt Projekte, die separat nochmal von der Regie­rung finan­ziert werden. 

Was ist denn ein aktu­elles Beispiel für ein größeres Projekt, dass separat geför­dert wird?

Bei der Frage denke ich an die soge­nannten NöFi-Inseln, die derzeit in Entwick­lung sind und ich hoffe mal, in 2026/2027 in acht der neuen Kommunen auch zur Umset­zung kommen.  

Die NöFi-Inseln sollen eine kleine Aufent­halts­in­for­ma­ti­ons­flä­chen im öffent­li­chen Raum in den Kommunen sein und können aus verschie­denen Elementen bestehen. Sie sollten auf jeden Fall aus einer Info­stelle bestehen. Über die Info­stelle wollen wir und die jewei­lige Kommune Infor­ma­tionen bereit­stellen. Das werden Touch­screens sein, wo man so selber aktiv werden kann und sich sozu­sagen durch­scrollen kann. Dazu wollen wir eine Bank zum Aufent­halt, viel­leicht als Lade­bank für Mobil­te­le­fone. Und dann haben wir bei den meisten soge­nannten NöFi-Inseln auch noch einen Trink­brunnen mit dabei.

Das heißt, man kann sich aufhalten, sich infor­mieren, sich mal hinsetzen, ein biss­chen im Handy daddeln und frisches Wasser aus dem Trink­brunnen holen. 

Und wenn die NöFi-Inseln an einer Stelle sind, wo auch der Platz dafür ist, dann ist auch noch ein Baum oder eine Grün­be­tei­li­gung an dieser Insel mitge­dacht. Das sind so die wesent­li­chen Bausteine.  

Wenn wir das in den nächsten ein, zwei Jahren umsetzen können, das würde mich sehr freuen. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Der Antrag bei der Städ­te­bau­för­de­rung steht schon fast vor der Tür und wir hoffen, dass wir die ersten Inseln heuer in 2026 umsetzen können.

Beispiele für bereits umge­setzte Projekte finden Sie unter Projekte.


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