Autor: Nördliches Fichtelgebirge
Transkript (gekürzt & bearbeitet) von Folge #02 unseres Podcasts „Hör mit! Der NöFi-Talk“ .
Das Original-Interview können Sie im InfoCenter anhören.
Interview mit Lena Reintgen, DSK Stadtentwicklung
Zur Person
Lena Reintgen ist Mitarbeiterin der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH aus Nürnberg, die aktuell, zusammen mit Büro PLANWERK, mit dem Stadtumbaumanagement für das Nördliche Fichtelgebirge beauftragt ist. Bei ihrer Arbeit für das Nördliche Fichtelgebirge liegt der Fokus auf dem Thema Leerstand.
Lena, wie hängen das Leerstandsmanagement und das Stadtumbaumanagement zusammen und welche Aufgaben ergeben sich daraus?
Das Leerstandsmanagement ist ein Teil des Stadtumbaumanagements. Dabei geht es darum, erst mal Erkenntnisse über die Leerstände in der Region zu gewinnen und dann damit konstruktiv umzugehen. Das heißt insbesondere, die Kommunen und die Eigentümer dabei zu unterstützen, Leerstände möglichst wiederzubeleben. Und ein Teil davon war eben auch eine Leerstandsanalyse, die wir in den Jahren 2024 und 2025 durchgeführt haben.
Wie seid ihr bei der Analyse vorgegangen, also wie sammelt man Leerstandsdaten und was macht man dann damit?
Das war in dem Fall etwas komplexer, weil wir im Nördlichen Fichtelgebirge neun Kommunen haben, die jeweils eigene Listen führen über bestehende Leerstände. Früher wurden auch durch das Stadtumbaumanagement Leerstandslisten geführt. Mittlerweile versuchen wir das alles im kommunalen GIS, also im geographischen Informationssystem der jeweiligen Kommune, abzubilden. Vor diesem Hintergrund haben wir uns 2024 von den Kommunen des Nördlichen Fichtengebirges Adressen liefern lassen, an welchen kein Einwohner gemeldet ist.
Daraufhin haben wird diese Adressen in unser GIS eingegeben, das dann am Ende auch wieder an die Kommunen gespiegelt und haben uns dann mit der Kategorisierung der einzelnen Leerstände befasst. Dabei haben wir einmal nach der Art des Leerstands unterschieden, also Wohnen oder Gewerbe. Und ob es ein Teilleerstand ist. Zum Beispiel sind in Mehrfamilienhäusern häufig mal nur ein, zwei, drei Wohnungen leer und der Rest ist noch bewohnt, das wäre dann ein Teilleerstand. Häufig haben wir auch eine Mischnutzung, dass also im Erdgeschoss ein Gewerbe angesiedelt ist oder angesiedelt sein könnte, wenn’s denn leer steht. Und darüber sind Wohnungen.
Auch hinsichtlich des Eigentumsstatus haben wir untersucht, also ob die Leerstände privat, kommunal oder sonstiges sind. Es kann beispielsweise sein, wenn kein Erbe da ist, dass der Freistaat erbt.
Und den augenscheinlichen Sanierungszustand haben wir jeweils dokumentiert, auch fotografisch, sodass man einen Status quo hat. Wir haben dazu keine personenbezogenen Daten, sondern wir müssen von außen gucken, wie sieht denn das Gebäude aus. Den Sanierungszustand, den kategorisieren wir dann: Teilsaniert, unsaniert, vollsaniert.
Was sind wichtige Erkenntnisse, die sich aus der Leerstandsanalyse ergeben haben?
Was wir feststellen konnten ist, dass es vorwiegend Gebäude mit Wohn- und Mischnutzung gibt, die betroffen sind von der Leerstandsproblematik. Wie gesagt, wir haben häufig das Thema, unten ist ein Gewerbeleerstand und drüber wohnt vielleicht noch in ein, zwei Wohneinheiten jemand, aber sonst steht der Rest leer.
Dann haben wir auch noch gemerkt, nahezu vollständig, das heißt zu 98% sind die erfassten Leerstände in privater Hand. Daher haben die Kommunen darauf auch nur bedingten Einfluss. Das ist vielleicht ein bisschen die negative Nachricht, aber positiv ist natürlich, dass die vielen privaten Eigentümer Möglichkeiten haben, dem Leerstandsthema entgegenzuwirken, indem sie sich eben verantwortungsvoll um ihre Immobilie kümmern und überlegen, was daraus werden könnte.
Und wie hoch ist nun die Leerstandsquote im Nördlichen Fichtelgebirge?
Wir haben für die neun Kommunen im Nördlichen Fichtelgebirge 350 Wohnleerstände erfasst. Das ist vergleichsweise relativ hoch.
Was sind die Gründe dafür, dass die Quote im Nördlichen Fichtelgebirge so hoch ausfällt?
Zunächst hatten wir natürlich, wenn man an die Zeit vor 1989 denkt, eine Grenzlage. Das hat sicher etwas ausgemacht, weil da für viele der Stopp war oben an der Grenze. Aber das ist ja zum Glück eine ganze Weile her und mittlerweile sind wir mitten in Europa. Das heißt, ich bin der Ansicht, dass sich die Lage eigentlich schon verbessert. Es dauert nur recht lang, bis sich auch das Bild beispielsweise im südlicheren Bayern ändert, dass wir hier oben nicht in Sibirien sind, sondern im Nördlichen Fichtelgebirge, wo man durchaus hin kann.
Dann ist natürlich ein Thema, dass Metropolen eine hohe Anziehungskraft gerade auf junge Menschen haben, die dann vielleicht zum Studieren weggehen. Und natürlich, je schlechter die Bausubstanz ist, desto schwieriger findet man auch Nachnutzer, die bereit sind, einen Leerstand zu kaufen und sich da niederzulassen. Außerdem ist oft ein Problem, dass es Erbengemeinschaften gibt und sich nicht darauf geeinigt werden kann, wie soll mit dem Objekt umgegangen werden. Dann wird es im Zweifel liegen gelassen.
Was können die Kommunen, der Privateigentümer oder auch das Stadtumbaumanagement gegen diese Leerstände tun?
Wir als Stadtumbaumanagement haben den Ansatz, möglichst den Kontakt zu den Eigentümern leerstehender Immobilien und natürlich auch zu den Kommunen zu intensivieren. Das heißt, der ständige Austausch ist wichtig. Wichtig ist auch, dass wir auf unsere Beratungsangebote aufmerksam machen können.
Zum Beispiel kann ich hier die Homepage des Nördlichen Fichtelgebirges empfehlen, da sind diverse Fördermöglichkeiten aufgeführt. Man findet unter anderem Kontaktmöglichkeiten und auch ein Leerstandsportal, wenn man sich mal den Eindruck von ganz konkret zur Verfügung stehenden Leerständen machen möchte. Und wir haben auch im Mai 2026 eine Sonderausgabe des interkommunalen Mitteilungsblatts “Komm mit!”, extra zum Thema Leerstand und Sanieren.
Grundsätzlich geht es also darum, Kontakt zu den Eigentümern zu halten, zu unterstützen, wo es geht. Und ja, ein Hebel sind auf jeden Fall immer Förderungen, gerade für Private, und dazu eben immer umfassend Bescheid zu wissen, was gibt’s denn gerade und das dann auch den Menschen mitzuteilen und gegebenenfalls zu unterstützen.
Was wünschst du dir generell für die weitere Entwicklung der Region?
Zunächst, es gibt in der Region bereits sehr viele Initiativen zur Förderung des Images der Region. Da sind auch die Landkreise recht aktiv. Das heißt, es tut sich auf jeden Fall etwas. Das muss sich vielleicht nur noch ein bisschen weiter nach Süden durchsprechen.
Als jemand, der selbst in Nürnberg geboren ist und die längste Zeit des Lebens in Nürnberg und München gewohnt hat und dann ganz bewusst nach Hof gezogen ist, muss ich sagen, dass für mich die Vorteile in der Region auf jeden Fall überwiegen.
Man kann sich hier einfach noch ein Leben leisten.
Lena Reintgen
Stadtumbaumanagement Nördliches Fichtelgebirge
Ich wünsche mir daher, dass noch mehr Menschen die Chancen und Freiräume im Fichtelgebirge finden und für sich entdecken. Und sehen, dass es hier auch Bausubstanz gibt, die gut ist und mit der man arbeiten kann.
Und für die Menschen, die von hier kommen und vielleicht weggegangen sind, denen würde ich auch wünschen, dass sie noch mal in die Heimat kommen. Ich habe schon viele kennengelernt, die eben genau das gemacht haben, die eine Weile in München waren und sich dann irgendwann gesagt haben, bezahlbarer Wohnraum wäre schon auch schön. Und die dann eben wieder nach Hause gekommen sind. Da wünsche ich einfach der Region, dass es in der Richtung weitergeht. Ich sehe das recht positiv.

