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Sanieren im Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge: Die ersten Schritte struk­tu­riert angehen

Autor: Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge
Tran­skript (gekürzt & bear­beitet) von Folge #03 unseres Podcasts „Hör mit! Der NöFi-Talk“ .

Das Original-Inter­view können Sie im Info­Center anhören.

Inter­view mit Peter Kuchen­reu­ther, Kuchen­reu­ther Archi­tekten

Zur Person

Peter Kuchen­reu­ther ist Inhaber eines Archi­tek­tur­büros mit rund 20 Mitar­bei­tern in Markt­red­witz. Sein Büro Kuchen­reu­ther Archi­tekten ist auf Sanie­rungen spezia­li­siert und führt unter anderem Bera­tungen in Bad Weißen­stadt zum Kommu­nalen Förder­pro­gramm für das dortige Sanie­rungs­ge­biet durch und ist auch Ansprech­partner im Rahmen des geför­derten Sanie­rungs­coa­chings in der Region Hof / Wunsiedel.

Peter, wann besteht denn in der Regel die Notwen­dig­keit zum Sanieren?

Wenn man sich Gebäude betrachtet, dann haben die natür­lich unter­schied­liche Alters­stände. Wenn beispiels­weise eine neue Gene­ra­tion mit einzieht oder auch die Haus­technik oder Dächer verbraucht sind, dann muss man ran. Zu den Gebäude-Lebens­zy­klen kann man sagen, unge­fähr alle 50 Jahre muss man etwas an der Hülle und alle 25 Jahre muss man an der Technik etwas machen. Das sind schon mal so die ersten Einstiege, die man hat, ohne groß­artig was verän­dert zu haben. Das ist wie ein Paar Schuhe oder ein Mantel, den ich habe, der natür­lich mit der Zeit verbraucht und man muss etwas tun.

Wann lohnt sich deines Erach­tens eine Sanie­rung anstelle eines Neubaus?

Wenn man ein Gebäude schon im Eigentum hat, dann ist das schon mal ein Pfund, es steht schon mal etwas da. Das Grund­stück ist da, das Gebäude hat man. Der Vorteil daran ist ja, dass ich hier einge­glie­dert bin in eine Infra­struktur. Ich habe eine Erschlie­ßung, die ganzen Sparten mit Kanal, Wasser, Strom. Natür­lich auch das städ­ti­sche Umfeld und soziale Umfeld. Das sind alles Dinge, die da sind.

Eine Sanie­rung ist bei eini­ger­maßen gepflegten Gebäuden immer güns­tiger als ein Neubau.

Peter Kuchen­reu­ther
Archi­tekt und Stadt­planer

Eine Sanie­rung, wenn es natür­lich nicht gerade in Rich­tung zum Ersatzbau geht, also wenn das Gebäude doch eini­ger­maßen gepflegt ist, ist immer güns­tiger als ein Neubau. Und man kann im Gebäude auch sukzessiv starten. Also Abschnitte machen und in Etappen sanieren. Man spricht von einem Sanie­rungs­er­folg, wenn man bis, ich sag mal, maximal 80 Prozent der Neubau­kosten hinkommt. Ab dem Punkt so unge­fähr wird man in Rich­tung Ersatzbau schielen. Das kann man auch im Vorfeld berechnen. Aber wie gesagt, man hat eigent­lich die Substanz schon mit hier. Ich habe da einen Rohbau oder mehr stehen. Das sind 30–40% der Baukosten.

Wird das Haus meine Nutzungen auch in der Zukunft mit abbilden können?

Peter Kuchen­reu­ther
Archi­tekt und Stadt­planer

Für sich selbst muss man aber prüfen: Wird das Haus, das ich jetzt hier habe, meine Nutzungen auch in der Zukunft mit abbilden können? Das ist die wich­tige Sache. Ich sage mal, das größte Pfund bei einem Gebäude ist eigent­lich, wenn es flexibel für die nächsten Gene­ra­tionen sein kann. Also nicht nur Mate­ria­lien zu sehen, sondern auch die innere Ordnung, Grund­riss­or­ga­ni­sa­tion, Flexi­bi­li­täten für das Thema Nach­hal­tig­keit.

Um viel­leicht einen kurzen Exkurs zu machen, es gibt Gebäude aus den 70er Jahren, die wurden für Leute indi­vi­duell geplant, gebaut, riesig, das Heizöl hat ein oder drei Pfennig gekostet. Wenn jetzt jemand neu hier mit einziehen will, dann ist es immer schwierig, weil die Größen, die Dimen­sionen, die Gestal­tung eigent­lich nicht passen. Wenn ich dann Häuser anschaue um 1900 herum, die wurden flexibel geplant und sind auch jetzt immer noch benutzbar für die nächsten Gene­ra­tionen.

Ange­nommen, ich habe ein Gebäude und mir auch schon über­legt, was ich damit machen möchte. Wie geht es jetzt weiter?

Das kommt darauf an, wie groß die Maßnahme ist. Also, ist es mit wenig Hand­griffen oder Planungs­auf­wand zu machen? Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass es doch einige Umbau­tä­tig­keiten sind, dann ist das Erste natür­lich mal: Muss ich mir die Umbauten, die ich vorhabe, von der Geneh­mi­gungs­be­hörde geneh­migen lassen? Dann ist das Nächste die Fach­pla­nung. Habe ich irgend­welche Wände, die ich raus­nehmen will? Brauche ich einen Statiker? Den Brand­schutz nicht zu vergessen, gerade in inner­ört­li­chen Lagen, also wo man Nach­bar­be­bauung hat.

Planung ist ein Schlüssel zum Erfolg.

Peter Kuchen­reu­ther
Archi­tekt und Stadt­planer

Und man sollte sich mal einen Ener­gie­planer holen, um zu sagen: Wie saniere ich am besten die Hülle? Welches Heiz­kon­zept kann ich dazu mitent­wi­ckeln? Also sprich, Planung ist doch ein Schlüssel zum Erfolg. Wenn ich jetzt hemds­är­melig oder blau­äugig rangehe, dann muss ich selbst schauen und alles selbst entwi­ckeln. Wenn ich mir dagegen einen fach­li­chen Rat hole, kann ich mir einiges sparen. Also gerade der Ener­gie­planer kann einem die ganzen Dämm­stärken mit vorgeben und unter­stützen, dass man da ziel­ge­richtet rangeht und die Inves­ti­tionen, die man hat, wirk­lich opti­mieren kann.

Gibt es irgend­welche Auflagen, was den gestal­te­ri­schen Bereich angeht, insbe­son­dere in den Innen­städten? Oder habe ich freie Hand, wenn erst mal die Fach­themen geklärt sind?

Gut, beispiels­weise im Gebiet Bad Weißen­stadt befinden wir uns ja in einem kompletten Ensemble. Und auch im städ­te­bau­li­chen Sanie­rungs­ge­biet. Wenn man dort Verän­de­rungen vorhat, dann ist der erste Weg, zur Stadt zu gehen und sich dort zu infor­mieren. Dann wird der Kontakt mit uns, mit den Sanie­rungs­be­ra­tern herge­stellt und diese ganzen Themen, die man hat, auch gestal­te­ri­sche und denk­mal­pfle­ge­ri­sche Themen, abge­stimmt. Wir sind die Vermittler zwischen Bauherrn und Behörden. In Bad Weißen­stadt ist es auch so, dass man jede Verän­de­rung in der Stadt oder im Ensemble anzeigen und abstimmen muss.

Dazu gibt es dort auch das kommu­nale Förder­pro­gramm. Man kann also hier über die Denk­mal­pflege und über die Städ­te­bau­för­de­rung natür­lich noch finan­zi­elle Unter­stüt­zung geben. Diese Unter­stüt­zung soll dazu da sein, um den städ­te­bau­li­chen Mehr­auf­wand, den ich habe, also die Mehr­qua­lität, die ich mit rein­bringe, einfach mit abzu­fe­dern. Dazu muss man auch sagen, ein Natur­schie­fer­dach ist beispiels­weise wesent­lich besser als ein Kunst­schie­fer­dach. Gerade von der Alte­rung kann ein Natur­schiefer 150 Jahre halten. Der Kunst­schiefer ist nach 30 Jahren schon wieder matt. Und Stein­ge­wände und richtig hand­werk­liche Eingangs­türen aus Holz, das sind Dinge, die sich gegen­über dem normalen Baumarkt abheben, wo man eine bessere Qualität hat. Und auf die zielt man ab, um dieses Gesamt­stadt- Ensemble raus­zu­ar­beiten.

Wie ich immer sage, man baut kein Haus, sondern man baut eine Stadt.

Peter Kuchen­reu­ther
Archi­tekt und Stadt­planer

Was ist dein wich­tigster Rat für Eigen­tümer sanie­rungs­be­dürf­tiger Gebäude?

Ich denke, der wich­tigste Rat, den man mitgeben kann, ist viel zu kommu­ni­zieren. Also sich zu infor­mieren bei der Stadt, aber natür­lich auch bei den bera­tenden Büros. Jedes Objekt, das beraten wurde, ist meist in der Qualität besser als eins, das man in Eigen­regie macht und ohne gestal­te­ri­schen Hinter­grund umsetzt. Das ist schon ein Mehr­wert, den man mit rein­bringen kann. Für mich ist es immer so wie Weih­nachten, wenn man ein Gebäude beraten hat und zwei Jahre später fährt man daran vorbei und die Eigen­tümer haben wirk­lich umge­setzt, wie von uns vorge­schlagen. Es ist eine tolle Geschichte, wenn wir durch unsere Bera­tung die Inves­ti­tionen, die die Eigen­tümer sowieso hätten machen müssen, wie Fenster zu tauschen oder die Fassade neu zu gestalten, gestal­te­risch auch in eine rich­tige Rich­tung lenken können.

Also eigent­lich ist der Rat: Lasst euch beraten.

Peter Kuchen­reu­ther
Archi­tekt und Stadt­planer

Schaut, dass ihr einfach mal mit Archi­tekten in Kontakt kommt. Für mich ist es auch immer so eine Stunde Null im Sanie­rungs­coa­ching. Es kommen Leute, die einen Archi­tekten nicht gerufen hätten und inner­halb von zwei Stunden hat man oft ein tolles Konzept entwi­ckelt und tolle posi­tive Ergeb­nisse zutage fördert.


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