Home IconStartseite Pfeil Icon Aus der Region Pfeil Icon Die Tourismusregion Fichtelgebirge: Urlaubsmotive, Zielgruppen, Alleinstellungsmerkmale

Die Touris­mus­re­gion Fich­tel­ge­birge: Urlaubs­mo­tive, Ziel­gruppen, Allein­stel­lungs­merk­male

Autor: Nörd­li­ches Fich­tel­ge­birge
Tran­skript (gekürzt & bear­beitet) von Folge #04 unseres Podcasts „Hör mit! Der NöFi-Talk“ .

Das Original-Inter­view können Sie im Info­Center anhören.

Inter­view mit Ferdi­nand Reb, Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Zur Person

Ferdi­nand Reb ist Geschäfts­führer der Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge mit über 56 Mitglieds­ge­meinden. Das Gebiet umfasst den gesamten Land­kreis Wunsiedel im Fich­tel­ge­birge, den nord­öst­li­chen Teil des Land­kreises Bayreuth und reicht im Norden bis in den Land­kreis Hof, im Süden in den Land­kreis Tirschen­reuth hinein.

Ferdi­nand, was macht das Fich­tel­ge­birge denn gene­rell als Touris­mus­re­gion aus?

Das Fich­tel­ge­birge ist aus meiner Sicht für viele ein unent­deckter Schatz. Der Tourismus ist bei uns nicht offen­sicht­lich. Das heißt, wenn ich die Insel Rügen als Urlaubs­ge­biet nenne, dann hat jeder ein Bild vor Augen und weiß, da oben gibt es schöne Sand­strände, Bäder­ar­chi­tektur, die kalte Ostsee, immer ein biss­chen Wind und so weiter, da hat jeder eine Vorstel­lung davon.

Bei uns kann man immer noch seine ruhigen Ecken finden.

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Wenn man jemanden sagt „Fich­tel­ge­birge“, dann sagt der: „Kenn‘ ich vom Namen her, aber was ist dort?“ Und das ist auf der einen Seite unser Vorteil, weil die Menschen sich zurzeit immer mehr nach so Unent­decktem sehnen und vor allem auch nach dem nicht Über­lau­fenem sehnen. Das könnte einer unserer Vorteile in der Zukunft sein, dass bei uns einfach weniger los ist, Schräg­strich war. Wenn man unsere Zahlen anschaut, dann ist es ja tatsäch­lich mehr geworden, aber immer noch so wenig, dass man hier seine ruhigen Ecken finden kann.

Viele unserer Gäste sagen, das hätte ich nicht erwartet, dass ich das im Fich­tel­ge­birge vorfinde.

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Das könnte unser Allein­stel­lungs­merkmal sein oder ist es auch, wenn man das verbindet mit den unent­deckten und nicht offen­sicht­li­chen touris­ti­schen High­lights. Denn wer erwartet hier im Fich­tel­ge­birge das größte Felsen­la­by­rinth Europas mit der Luisen­burg oder das Museum für Comic und Sprach­kunst in Schwar­zen­bach. Eine Geschichte, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt, aber hier haben wir sie.

Und noch viele andere kleine Dinge, die sich die Gäste selbst erar­beiten. Denn wenn man sich etwas selbst erar­beitet, das ist wie beim Lernen in der Schule, wenn man sich etwas selbst erar­beitet, dann hast du am Ende des Tages viel mehr Erfolg, dass das Gelernte auch im Kopf bleibt. Hier ist es genauso und viele unserer Gäste, wenn die wieder nach Hause fahren, sagen, das hätte ich nicht erwartet, dass das so im Fich­tel­ge­birge ist oder dass ich das hier vorfinde. Immer mit der Aussage, da muss ich wieder­kommen, weil da haben wir das, das oder das noch nicht gesehen. Und das ist, glaube ich, unser Vorteil. Viel­leicht sogar ein Grund, warum wir in den letzten Jahren auch ständig stei­gende Gäste- und Über­nach­tungs­zahlen vorzu­weisen haben.

Man braucht den ein oder anderen Leucht­turm. Nur wegen 20 Klein­oden, die keinen Reise­an­lass darstellen, kommt keiner.

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Man muss aber auch sagen, um grund­sätz­lich attraktiv zu sein und auch Gäste hierher zu locken, braucht man natür­lich den ein oder anderen Leucht­turm. Nur wegen 20 Klein­oden, die keinen Reise­an­lass darstellen, kommt keiner. Aber wenn jemand weiß, Mensch, da gibt es eine super Therme und einen schönen See in Bad Weißen­stadt, nur als Beispiel. Oder wenn jemand sagt, Mensch, da kannst du super Moun­tain­biken, weil da gibt es jetzt ganz neu diesen Horse­s­hoe­t­rail, diese 170 Kilo­meter lange Moun­tain­bike-Runde, dann kommt einer deswegen hierher, sieht aber dann im Laufe seines Aufent­halts, oh, da gibt’s ja noch viel, viel mehr. Also, wir müssen schon in Leucht­türmen denken.

Was ist dein Lieb­lings­leucht­turm im Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge?

Da muss ich tatsäch­lich drüber nach­denken, weil es viele, wirk­lich viele gibt. Zurzeit ist es wahr­schein­lich der Eger-Radweg. Ich bin selbst relativ viel mit dem Fahrrad unter­wegs, ob mit dem Moun­tain­bike oder mit dem Tourenrad. Also alles, was mit Rad zu tun hat, da ist in den letzten Jahren viel entstanden.

Zum Beispiel ganz neu, der Fich­tel­per­len­radweg. Das ist ein Zusam­men­schluss vom Saale­radweg, der Perlen­route und dem Brücken­radweg. Ein Dreieck im Fich­tel­ge­birge, das man befahren kann mit 115 Kilo­me­tern. Jetzt kann man das an einem Tag fahren, ja, okay, aber das ist nicht Sinn und Zweck des Ganzen, sondern wir bieten das als Drei- oder Vier­ta­ges­tour an, weil man zwischen­drin einfach schöne Sachen anschauen kann, die am Weges­rand sind, die etwas mit Kunst, mit Kultur, mit Genuss zu tun haben, die das Fich­tel­ge­birge einfach, ja, wider­spie­geln.

Zum Wandern gibt es auch genug schöne Sachen. Mir gefällt der Epprecht­stein richtig gut. Auch wenn ich das am Korn­berg natür­lich auch super kann. Oder auch so ein Fleck am Wald­stein oben, wo man auf einer Stein­bruch­halde in Rich­tung Bad Weißen­stadt runter schauen kann, da hat man auch einen wunder­baren Blick auf den Weißen­städter See und auf den gegen­über­lie­genden Schnee­berg und Ochsen­kopf. Ja, es gibt ganz, ganz viele schöne Punkte. Meine High­lights sind in erster Linie dort, muss ich zugeben, wo ich ab und an mal, wenn ich Zeit hab‘, keinen Menschen seh‘. Und deswegen eben irgendwo draußen.

Du hast vorhin gesagt, dass in den letzten Jahren die Gäste- und Über­nach­tungs­zahlen im Fich­tel­ge­birge steigen. Woran liegt das?

Ich glaube schon, dass wir alle mitein­ander in den letzten Jahren, und mit „alle mitein­ander“ meine ich alle Kommunen, alle poli­ti­schen Vertreter, auch viele Bürger, die natür­lich auch getrig­gert aus Initia­tiven wie dem Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge, wie dem Frei­raum für Macher im Land­kreis Wunsiedel oder wie aus dem Hofer Land heraus, zusam­men­zu­ar­beiten und das Fich­tel­ge­birge positiv nach außen darstellen. Ich kann hier mal ein Beispiel nennen. Wenn jemand aus dem Fich­tel­ge­birge vor 15 oder 20 Jahren in Frank­furt oder sonst wo im Urlaub war und jemand hat ihn gefragt, wo er herkommt, dann haben die meisten Leute immer gesagt: Na ja, da oben im Norden Bayerns, hinter Nürn­berg, da kurz vor und so weiter und so fort. Und heute, wenn du gefragt wirst, heißt es: „Ich komme aus dem Fich­tel­ge­birge.“ Punkt. Und dann wird das einfach ange­nommen und fest voraus­ge­setzt, dass das Gegen­über weiß, wo das ist. Und das ist für mich ein Indiz des Selbst­ver­ständ­nisses und auch des neuen Selbst­be­wusst­seins. Das ist auch einer der Gründe, warum es mehr Bekannt­heit gibt.

Es müssen ja immer mehrere Faktoren zusam­men­treffen, um im touris­ti­schen Geschäft erfolg­reich zu sein

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Es reicht nicht aus, nur bekannt zu sein. Fuku­shima ist auch bekannt, aber da will keiner hin. Also musst du bekannt sein, aber auch sympa­thisch. Und um sympa­thisch zu sein, musst du etwas Posi­tives vorne hinstellen. Dieses Posi­tive sind diese Leucht­türme oder auch die Beson­der­heiten, die wir anbieten können. Und das trägt, wenn es sukzes­sive zusam­men­trifft und wenn vor allem alle mitma­chen, auch die Bürger, zur Außen­wir­kung bei.

Wir selbst, also wir Fich­tel­ge­birgler, sind der größte Multi­pli­kator.

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Die Bürger sind unser größter Multi­pli­kator, die haben die meisten Kontakte nach außen. Wir, die Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge, haben viele Millionen Kontakte im Jahr zu poten­zi­ellen Gästen, aber die meisten Kontakte entstehen doch durch die Bürger. Jeder, der am Wochen­ende irgendwo unter­wegs ist, hat soziale Kontakte. Jeder, der einen Ausflug macht, jeder, der in den Urlaub fährt, irgendwo andere Menschen trifft, hat einen sozialen Kontakt. Und wir selbst, also wir Fich­tel­ge­birgler, sind der größte Faktor.

Und wie können einzelne Orte und auch Betriebe zur weiteren posi­tiven Entwick­lung des Tourismus in der Region beitragen und davon profi­tieren?

Nun, jede Kommune oder jedes Haus, jeder Vermieter, jeder Wanderweg hat seine Allein­stel­lung. Die Frage ist ja nur, wie defi­niere ich das? Ich sage zum Beispiel immer, wenn mich ein Feri­en­woh­nungs­be­sitzer fragt: „Ja, wie kann ich mich denn raus­stellen?“.

Da sage ich immer: „Mach dir mal Gedanken, warum ein Gast unbe­dingt zu dir soll und nicht zum Nach­barn oder in den Nach­barort.“

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

Das Gleiche muss sich ein Ort stellen, das Gleiche muss sich das NöFi stellen, wenn das NöFi die touris­ti­sche Einheit sein soll. Das Gleiche muss ich mir als Geschäfts­führer der Touris­mus­zen­trale stellen. Warum sollen die Leute ins Fich­tel­ge­birge und nicht ins Erzge­birge oder im Baye­ri­schen Wald oder in den Harz, in die Eifel oder sonst wohin? Und genauso kann das jeder der neun Orte des Nörd­li­chen Fich­tel­ge­birge machen.

Aus diesen Gedanken ergeben sich Allein­stel­lungs­merk­male und das gibt es für jede einzelne kleine Feri­en­woh­nung oder für welches Produkt auch immer.

Ferdi­nand Reb
Geschäfts­führer Touris­mus­zen­trale Fich­tel­ge­birge

In jedem Ort kann man sich fragen, warum soll jemand dort unbe­dingt hin. In Ober­kotzau der Fern­weh­park, der aus Hof raus­ge­zogen ist, liegt an der Perlen­route, am Saale­radweg. Bei Bad Weißen­stadt ist es ziem­lich klar, durch das Gesund­heits­an­gebot. Spar­neck mit seinen ganzen Burgen und die ganzen Dinge. Also, für einen dieser Orte gedacht, zum Beispiel Kirchen­lamitz, warum soll jemand nach Kirchen­lamitz? Und dann über­legt man sich, was gibt es da alles: was mit dem Epprecht­stein oben zu tun hat, mit dem Granit zu tun hat, mit dem Laby­rinth zu tun hat. Dann kann man hergehen und sagen: “OK, unsere Allein­stel­lung betrifft die Wanderer, die an Histo­ri­schem oder Indus­trie­his­to­ri­schem ein Inter­esse haben.“ Aus diesen Gedanken ergeben sich Allein­stel­lungs­merk­male und das gibt es für jede einzelne kleine Feri­en­woh­nung oder für welches Produkt auch immer.

Und wenn ich da ein, zwei, drei Antworten drauf hab’, dann weiß ich, an welche Ziel­gruppe ich mich wenden muss. Und das macht letzt­end­lich dann das Fich­tel­ge­birge insge­samt, das Nörd­liche Fich­tel­ge­birge oder auch jeden einzelnen Ort aus.


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